i walk the line

Er sitzt in seinem Stammlokal und sinniert über so wichtige Dinge wie den Ernst des Lebens oder ob er sich noch ein Bier bringen lassen soll. Im Hintergrund kämpfen die Kinks mit «Don't Forget To Dance» gegen den hohen Geräuschpegel an und ihm wird bewusst, wie viel banales Popgedudel er sich berufs- und sonstwie bedingt in den vergangenen paar Jahrzehnten hat reinziehen müssen.

«Alter, Du wirst alt.» sagt er zu sich. «Bestell Dir noch ein Bier, aber untersteh Dich, die Kellnerin anzulabern und ihr mitzuteilen, dass früher alles besser war, insbesondere die Musik.» Das kleine Selbstgespräch erweist sich als überflüssig, der Pegel im Glas ist unter die kritische Dreizentimetermarke gefallen, das zweite Bier wird in diesem Moment vor ihm aufgebaut. Wofür hat man schliesslich ein Stammlokal.

Inzwischen hat sich Ray Davies verabschiedet und er hört nicht mehr aufs Radio sondern mehr auf das Stimmengewirr rund um ihn herum. Nach vielleicht zwanzig Minuten erklingt das Intro zu «I Walk the Line» und für ein, zwei Sekunden wird es still im Lokal. Er nimmt's als gutes Zeichen, bezahlt und geht nach Hause.